Ryszard Bodziacki
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Ryszard Bodziacki, Bürgermeister der Stadt Słubice

Europa erhält neue Konturen. Die Hindernisse, die dem gegenseitigen Austausch lange Zeit im Weg standen, schrumpfen. Die wechselseitige Auseinandersetzung mit den kulturellen Wurzeln bringt die Menschen auf beiden Seiten der Oder einander näher und ermöglicht es ihnen, an der Festigung des gemeinsamen kulturellen Fundamentes weiter zu arbeiten.

Das Verbindende zu erkennen und auszubauen, den Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu begegnen, das sind nun die nahe liegenden Aufgaben. Die Bildende Kunst ist mit ihrer universellen Sprache vor allen anderen Kommunikationsformen dazu prädestiniert, sich den essentiellen Fragen der Zeit anzunehmen.

Die GoetzenHäuser auf beiden Seiten der Oder geben auf originelle Weise einen Einblick in die unterschied-lichsten Formen der Daseinsbewältigung und in die Wertvorstellungen der Künstler und veranlassen die Besucher dazu, einen Augenblick inne zu halten und sich Fragen zu öffnen, die im beschwerlichen Alltag oft in den Hintergrund treten.

Über die Beiträge der Bildenden Künstler hinaus hat der Kurator Udo G. Cordes Wissenschaftler, Intellektuelle und Schriftsteller gebeten, in essayistischen Beiträgen zum Thema »Ich und die Anderen« die Rolle des Einzelnen in der Welt zu reflektieren. Es ist besonders erfreulich, dass neben Intellektuellen aus Estland, Lettland und Deutschland mit Bożena Chołuj, Hubert Orłowski, Karol Sauerland und Krzysztof Wojciechowski namhafte Persönlichkeiten polnischer Universitäten vertreten sind.

Dass bei diesem Kunstprojekt der einzelne Mensch mit seinen Hoffnungen, Orientierungen und Wünschen das Zentrum bildet und nicht die rein ästhetische Idee im Vordergrund steht, lässt dieses Vorhaben zu einem bedeutenden Ereignis in Słubice und Frankfurt (Oder) werden. Gerade in einer Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen und kaum durchschaubarer globaler Prozesse ist es wichtig, die Fragen nach dem individuellen Sein nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die FrageAktion »Was gibt mir in meinem Leben Halt?«, die in polnischer Sprache im Collegium Polonicum und in deutscher Sprache in der Europa-Universität Viadrina präsentiert wird, zeigt anschaulich, welche überraschenden Erfahrungen Menschen gemacht haben, die in ihrem Leben einen Halt gesucht und gefunden haben. Die veröffentlichten Antworten stehen im Kontrast zum Alltagstrott und lenken so die Aufmerksamkeit des Betrachters auf etwas, das nicht zum »normalen« Geschehen des Tages gehört und dennoch für unser Befinden wichtig ist.

In dem sich Kunst den Daseinsfragen stellt, versucht sie, über den Tellerrand des pragmatischen Handelns hinauszublicken und erinnert uns an die uns alle verbindenden Werte.

Möge durch dieses Kunstereignis ein positives Beispiel für gegenseitige Toleranz und europäisches Miteinander von der Region und den Städten Słubice und Frankfurt (Oder) ausgehen.