Martin Patzelt
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Martin Patzelt, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder)

Gerade im historischen Jahr 2004, in dem auf beiden Seiten der Oder symbolisch und tatsächlich europäische Tore aufgestoßen wurden, hat das interdisziplinäre Goetzen-Projekt für uns in Frankfurt (Oder) ganz besondere Türen geöffnet: Türen der Kunst als Türen des Miteinanders, der Suche nach gegenseitigem Verstehen. Die dreizehn GoetzenHäuser und die Installationen in unserer Friedenskirche haben der Stadt internationale Kunst beschert und intensives Nachdenken über sich selbst.

Für beides möchte ich mich bei allen Künstlern, Organisatoren, Mitwirkenden und allen Förderern bedanken – sie haben uns reich beschenkt. Ich glaube und hoffe, dass uns alle noch die Wirkungen, aber auch die Nachwirkungen beschäftigen werden. Kunst nicht als purer Genuss, sondern als persönlicher Prozess. Wir stellten dies bei den Künstlerinnen und Künstlern fest, wir stellen dies bei uns selbst fest. Das Goetzen-Projekt findet rein äußerlich – leider – ein Ende.

Aber nur ein äußerliches Ende, denn die Diskussionen gehen weiter. »Goetzen – Ich und die Anderen« hat die ›Provinz‹, ein wenig entfernt von der Magistrale, in ein gutes Licht gesetzt, der Fokus der internationalen Kunstwelt hat sich erneut auf unsere Stadt gerichtet. Frankfurt (Oder) ist eine gute Adresse auch im überregionalen Kulturleben, es gab zusätzliche Gründe, unserer Stadt einen Besuch abzustatten.

Die transitorische Siedlung mit den dreizehn GoetzenHäusern hat aber auch das Leben in Frankfurt (Oder) bereichert, unserem Denken und Fühlen neue, ungeahnte, für manchen auch ungewohnte Dimensionen gegeben. Wir wurden mit Provokationen konfrontiert, wir empfingen Anregungen, »Goetzen – Ich und die Anderen« hat bei vielen von uns sinnstiftend gewirkt, Prozesse des Nachdenkens ausgelöst. Die Friedenskirche rückte in das Interesse der Glaubenden und Zweifler, provozierte die ›Unterscheidung der Geister‹: Was ist Glaube, wo ist Glaube, wo wird den Götzen, sei es im Glaubensbewusstsein, gehuldigt.

Die neugestalteten Ufergestade hüben wie drüben erfuhren eine Aufwertung. GoetzenHäuser – nicht einfach weiße Kuben in der Stadtlandschaft, sondern weitere Meilensteine in der Entwicklung der Stadt, ihrer Menschen, ihrer Gäste. Ein Kunstprojekt, welches nicht künstlich wirkte, sondern in unser Leben trat und mehr oder weniger aufwirbelte. Wir haben viel gesehen, manche Gedanken erahnt, Hoffnungen und Wünsche – die eigenen und die der anderen – fühlen gelernt. Für all das gilt, neben den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern, ganz besonders dem Vater des Projektes und unermüdlichen Kämpfer für das Projekt, Herrn Udo G. Cordes, großer Respekt und Dank. Sollte er wieder derartiges Neuland suchen und bebauen, dann ist er herzlich zu uns nach Frankfurt (Oder) eingeladen.