Monika Sosnowska
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Irregular Room









Monika Sosnowska, Polen: »Irregular Room«;
Fotos: Udo G. Cordes (1), Bernd Kuhnert (2), Jens Schünemann (3/4/5/6/7)


 

Nicola Kuhn

Irregular Room nennt Monika Sosnowska kurz und knapp ihr GoetzenHaus. Man ist versucht, durch Beschreibung diesen unregelmäßigen Raum in den Griff zu bekommen und muss doch scheitern. Die Benennung von Maßen, Größenunterschieden, Raumverhältnissen nützt wenig, wenn es sich doch um ein merkwürdiges, kaum benennbares Gefühl handelt, das dieser Ort auslöst. Durch eine genormte Tür blickt der Betrachter vis-à-vis auf vier schmale Nischen sowie rechter und linker Hand auf jeweils zwei weitere Rücksprünge, die ebenfalls unterschiedlich weit in die Tiefe ragen. Brusthoch sind sie mit einer grünlichen Lackfarbe bemalt, die an Behördengänge, an Amtskorridore erinnert. Von oben leuchten vier Lampen, die den Eindruck einer Bühne, eines phantastischen Raumes vertiefen. Wie Alice im Wunderland haben wir eine gewöhnliche Klinke benutzt und blicken in irritierende Welten, für die uns jedes Maß, jede Orientierung verloren gegangen ist.

Genau an diesem Punkt möchte uns die Künstlerin haben. Ich will Realität hinterfragen, so Monika Sosnowska im Gespräch. Dass ihr dies mit letztlich nüchternen Konstruktionen gelingt, macht den besonderen Reiz ihrer Arbeiten aus. Trotz des verwirrenden Raumgefühls, das sie auslösen, bedienen sie sich der reduktionistischen Formsprache der Minimal-Art. Mit dieser Verbindung hat die Absolventin der Amsterdamer Rijksakademie in den letzten Jahren für Furore gesorgt. Allein im Jahr des Goetzen-Projektes war sie mit ihren Beiträgen – Installationen und Wandarbeiten – international hoch begehrt. So schuf sie vor ihrem Frankfurter »Irregular Room« weitere Werke unter anderem in Rennes, Glasgow, San Gimignano, Antwerpen und Köln. 2003 war sie etwa in Nizza, Mexiko-City zu sehen oder beteiligte sich an den Bien-nalen in Istanbul und Venedig. Auf der Biennale di Venezia gehörte sie mit ihrem sich rasant verjüngenden Korridor, der die Größenverhältnisse und Dimensionen zum Tanzen brachte, zu den herausragenden Positionen. Für die Installation »Entrance«, entwickelt für die Statements der internationalen Kunstmesse Art-Basel, erhielt sie im gleichen Jahr den hoch dotierten Baloise-Kunstpreis. Und auf der Manifesta 4, der europäischen Biennale zeitgenössischer Kunst 2002 in Frankfurt am Main, hinterließ sie im Jahr zuvor mit ihrem kafkaesken Von-Tür-zu-Tür-Labyrinth einen der stärksten Eindrücke.

Auch für das Goetzen-Projekt hat Monika Sosnowska eines der eindringlichsten Häuser gebaut. Einerseits entzieht sie sich der Themenstellung, der konkreten Auseinandersetzung mit dem Motiv des Götzen, andererseits offeriert sie mit ihrer vergleichsweise neutralen Installation dem Betrachter einen offenen Reflektionsrahmen, der möglicherweise nachhaltiger wirkt. Sie gibt den Ängsten, Neurosen, Wahnvorstellungen eines jeden eine Projektionsfläche und damit auch Raum für die individuelle Vorstellung vom Götzen. Was auf den ersten Blick klar strukturiert und durchschaubar erscheint – eine Tür, ein Raum, etliche Zwischenwände aus Rigips – beginnt bei näherer Betrachtung zu schwanken, Phantasien freizusetzen. Auch das Goetzen-Projekt hinterfragt Hierarchien, gesellschaftlich-religiöse Wertvorstellungen. Monika Sosnowskas »Irregular Room« erinnert an den schwankenden Boden, auf dem wir stehen, die Relativität unserer Wahrnehmung, gespeist durch Erinnerung, Erfahrung, Ahnungen.