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Was gibt mir in meinem Leben Halt?

 

Die Frage setzt voraus, dass ich nicht haltlos bin. Auf zwei Voraussetzungen kann ich in meinem Leben nicht verzichten, die eine ist persönlicher Natur, die andere etwas Abstraktes. Ich brauche einen Menschen, dem ich völlig vertrauen kann. Die zweite Voraussetzung ist bei mir, wie vermutlich bei vielen Menschen, der Glaube an etwas. Ich glaube an die menschliche Vernunft, vorläufig noch. Damit will ich nicht sagen, dass ich vom Sieg der Vernunft in der Zukunft überzeugt bin. Ich glaube lediglich daran, dass sich die menschliche Vernunft nicht ausrotten lässt. Leider trifft das auf die menschliche Dummheit und den Fanatismus ebenfalls zu. Ich bin nicht sicher, ob die Vernunft siegen wird, aber sie wird bestimmt immer wieder ihr Haupt erheben, auch wenn man sie mit Füßen tritt. Unter Vernunft schließe ich Menschlichkeit ein. Ohne Menschlichkeit gibt es keine Vernunft. Die Vernunft setzt sich nicht von selbst durch; gute Argumente helfen nicht immer. Es ist sehr schwer abzuwägen, wenn man (der demokratische Staat) mit Vernunft Gewalt anwenden muss, um gefährliche Dummheiten zu unterbinden. Irrtümer lassen sich nicht völlig ausschließen, aber man muss aus ihnen lernen. Ich versuche, meinen Halt zu behalten, indem ich die Ungewissheiten des Lebens berücksichtige.

 

Dr. Lydia Lange

 

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