Bogna Burska
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Stain Glasses – Frankfurt (Oder)








Bogna Burska, Polen: »Stain Glasses – Frankfurt (Oder)«
Selbstklebende Klarsichtfolie, Farbe; Fotos: Udo G. Cordes (1), CH-Foto (2/3/4/5)


 

Michael Nungesser

Die »Stain Glasses, Friedenskirche, 2004« von Bogna Burska an der Nordseite der Kirche, sind, wie ihr südliches Pendant von Helge Leiberg, an den Bau gebundene Kunst, die Farbe und Licht direkt auf der durchscheinenden Außenhaut des Gebäudes miteinander verbindet. Auf die dreibahnigen Spitzbogenfenster gemalt (genauer: als bemalte Folie aufgeklebt und fürs erste nur temporär gedacht), dominieren sie den Hauptraum und laden ihn atmosphärisch auf. Burska, die 1974 in Warschau geborene und ehemalige Meisterschülerin von Leon Tarasewicz an der dortigen Akademie der Künste, lebt und arbeitet in Warschau. Sie hat drei der Fenster bemalt (darunter eines niedriger und breiter) – Leiberg fünf (auch darunter eines in gedrungeneren Maßen als die anderen). Die ästhetischen Konzepte sind verschieden, obgleich die Expressivität in Farbe und Form vergleichbar ist. Burska bedient sich einer dem Action Painting nahe stehenden Malweise, die abstrakt anmutet, Leiberg einer figurativen Malerei, die gestische wie dekorative Elemente aufnimmt.

Burska arbeitet vor allem mit der Farbe Rot, die sie mit den Fingern oder – bei flachen Oberflächen – auch tröpfelnd aufträgt – Praktiken, die auch in der rituellen Aktionsmalerei von Hermann Nitsch oder den Übermalungen von Arnulf Rainer eine Rolle spielen. Sie können sich an der Wand befinden und von da auf dem Boden ausbreiten, an den Scheiben eines transparenten Kubus auf Sockel, innerhalb des Bildgeviertes eines Leinwand- oder Papierbogens oder als Spuren im Schnee. Je nach Kontext wechseln die Anmutungen, die von diesen Markierungen ausgehen. Blut und Feuer sind die wohl eingängigsten Assoziationen. Bei beiden liegt das Vitale und das Vernichtende nahe beieinander. Sie können reinigend wirken und Leben erhalten, sie können dieses aber auch vergiften oder auslöschen. Da die Farbe unmittelbar mit der Hand vermalt wird, drängt sich die Verbindung zu Blut am unmittelbarsten auf, lodernde Farbballungen lassen an Feuer denken.

Bei den drei Fenstern der Friedenskirche hat Burska mit den Händen rote Farbe über die Fläche (d.h. die Bahnen der Folie) verteilt, deren Strukturen denen von Kaskaden oder Astwerk gleichen, wobei die Transparenz des unbunten Glases an mehreren Stellen erhalten bleibt. Die offene, expressive, gestische, ja fast panische Malweise kontrastiert mit den klaren Fensterformen und zieht daraus ihre besondere Wirkung. Auch hier drängt sich der Gedanke an Feuer auf (vielleicht auch den »brennenden Dornbusch« aus dem Moses-Kapitel der Bibel) – aber auch an Gischt sprühende Farbwasserfontänen. Durch die schiere Größe der Bilder wird der Gedanke zurückgedrängt, Blutspuren als unheilvolles Menetekel zu lesen. Doch sind auch solche gedanklichen und emotionalen Verknüpfungen nicht ausgeschlossen. Der Zauber von Burskas Bildern liegt in ihrer Offenheit, in der sich Schönes und Schreckliches kreuzen.