Ulla Walter
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du schöne Ewigkeit








Ulla Walter, Deutschland: »du schöne Ewigkeit«
1,86 x 1,70 m; Lichtinstallation, Kopie »Bacchus«; Fotos: Ch-Foto (1/2/3/4), Andreas Merkel (5/6)


 

Michael Nungesser

Links neben der Sakristei befindet sich im östlichen Chorumgang die Installation zum Thema der Vergänglichkeit von Ulla Walter. Die Künstlerin wurde 1955 in Meiningen geboren, studierte in Dresden Arbeitswissenschaften, danach Malerei an der dortigen Kunsthochschule und in Leipzig, wo sie zuletzt Meisterschülerin bei Bernhard Heisig war. Seit über zwanzig Jahren lebt und arbeitet sie in Schöneiche bei Berlin. Auch bei ihr durchdringen sich Malerei und Skulptur gegenseitig. Bezüge zu Natur und Landschaft dominieren, und Fundstücke werden verarbeitet. »Die Naturelemente, die sie verwendet, kommen einer Spurensicherung gleich, andererseits werden sie so verfremdet, dass ihnen eine neue Dimension durch den Kontext zum Umraum erwächst. [...] Natürliches und Artifizielles durchdringen sich.«1 Sie gestaltet ›tektonische‹ Bilder und Objektbilder, in denen Naturformen mit technischen Elementen akustischer, optischer und mechanischer Natur verbunden sind.

Die Raum-Licht-Installation »du schöne Ewigkeit« ist von Walter eigens für die Ausstellung geschaffen worden und unterscheidet sich durch eine stärker konzeptuelle Komponente von ihren bisherigen Arbeiten. Sie besteht aus zwei waagerechten, quasi spiegelbildlich aufeinander bezogenen Bildflächen; die untere befindet sich auf Bodenniveau, die obere, gleich große, circa zwei Meter an gleicher Stelle darüber. Diese zeigt eine nach unten gerichtete Reproduktion des Gemäldes »Bacchus« (1595) des italienischen Malers Caravaggio; die üppige Früchteschale ist durch Positiv-Film-Material mit demselben Motiv ersetzt und wird hinterleuchtet. Jene Fläche darunter ist düster und leer, nur da, wo oben das Stilleben leuchtet, befindet sich als Pendant ein auf gleiche Weise zum Leuchten gebrachtes Stillleben aus fotografierten Resten von Früchteschalen und anderem Essbaren in kompostiertem Zustand.

Wie Walter in ihrem Konzeptpapier schreibt, findet sich in Caravaggios Gemälde »Wohlstand und Überfluss« im Symbol von Früchteschale und Weinglas, während das Stillleben unten »Kargheit und Verfall« repräsentiert. »Schönheit und Fäulnis« stehen sich als Resultate natürlicher Prozesse gegenüber. Der Mensch kann die Realität nicht ändern, aber die Stationen gleichsam in Zustandsprotokollen festhalten und durch Malerei oder Fotografie als Abbild fixieren. Die Wahrheit der Bilder ergibt sich aus ihrer Konfrontation. Beide Bilder sind wahr und auch wieder nicht. Die Wahrheit steckt hinter den Bildern, ist prozesshaft, dialektisch, ein Interpretationsmodell, das sich wandelt.

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1 Gabriele Muschter: Vortrag Kunst und Kommerz..., in: Ausst.-Kat. Ulla Walter. k.u.n.s.t.z.i.n.s. Ausstellung und offenes Atelier – Galerie Linkstraße im Volksbank-Center am Potsdamer Platz, Berlin 1999, o.P.