BUCCO
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I want to believe







BUCCO, Deutschland: »I want to believe«
10,2 x 12,0 x 2,5 cm; Porcelin; Fotos: CH-Foto


 

Michael Nungesser

Die Figureninstallation »I want to believe« von Bucco befindet sich in einer Nische am Rand der Ausstellung in der Friedenskirche. 1944 im niedersächsischen Dörpe geboren, hat er an der West-Berliner Kunsthochschule bei Wolfgang Ludwig studiert und ist seit langem als freier Bildhauer, vor allem in Stein und Bronze, tätig (daneben auch Objektskulpturen und Werke in unterschiedlichen graphischen Techniken). »s Arbeit entsteht in Serien, die sich über Jahre hin entwickeln. Auf Statuetten, Fragmente und Pyramidal-Formen (...) folgt die lange Reihe der Portale, aus der sich schließlich Ende der achtziger Jahre die Brandenburger Tore als Sonderthema herausbilden...«1 Mit der Installation in der Friedenskirche knüpft Bucco an frühere Arbeiten zum Motiv des Tempels an, in denen die Fragwürdigkeit der Kirche und ihrer Stellung in der Gesellschaft anklingt.

Im Vergleich mit den bisher besprochenen Werken von Wendisch, Cordes, Escobedo und Hofmann erscheint die mit erhobenen Armen dargestellte Christusfigur aus Porcelin winzig. Sie ist der Abguss eines ursprünglichen bronzenen Fundstückes, vermutlich Fragment eines Kruzifixes. Und auch in ihrer Beziehung zur Wandnische als rahmendem Element bleibt das Miniaturhafte erhalten. Zugleich ergibt sich aus dem hellen Material der Plastik mit seiner glatten Oberfläche ein starker Kontrast zum rötlich-grauen, groben Mauerwerk des Gebäudes. Damit erhält die Figur trotz ihrer geringen Ausmaße erhöhten Aufmerksamkeitswert. Da nur der nackte Oberkörper auf dem Mauerwerk aufsitzt, ergibt sich zugleich der Effekt, als sei die Figur gefährdet, im Untergrund zu versinken. Die nach oben gereckten Arme lassen sich als Gestus der Hilfe suchenden Klage lesen – ganz anders als die begehrlichen, sehnsüchtig erhobenen Arme des »Mondguckers« von Wendisch.

»I want to believe« – der Titel dieser Arbeit – benennt eine in der Gegenwart sicher weit verbreitete Haltung, den verloren gegangenen Glauben wiederzugewinnen. Denn Gott ist in der Krise – vor allem in den westlichen Ländern, in denen materielle Werte, der Tanz um das goldene Kalb, spirituelle, geistige und emotionale an den Rand gedrängt haben. Zugleich haben Aufklärung und ihre Folgen alle auf Heilsüberlieferungen aufbauenden Systeme in Frage gestellt. Der moderne Mensch fragt noch immer »Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?« (Paul Gauguin). Aber seine Antworten sind provisorischer und skeptischer geworden, Kirchen, die ihre Lehren der Markttauglichkeit unterwerfen, haben an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Das moderne Individuum sehnt sich nach wärmender Gemeinschaft und Sinn stiftenden Lebensentwürfen, doch es findet sie immer weniger in der Religion. Die Gestalt des Erlösers von Bucco, klein und verloren, weckt eher Mitleid denn Zuversicht. »I want to believe«: Das könnte meinem Leben Halt geben? Das wird meinem Leben Halt geben? Das gibt meinem Leben Halt? (um auf die FrageAktion zurück zu kommen2): Alle Möglichkeiten schwingen in der fast trotzigen Wunschform des Titels mit.

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1 Michael Nungesser: Portale und Brandenburger Tore. Kritische Annäherungen an ein Nationalsymbol, in: . Portale und Brandenburger Tore, Berlin 2002, S. 7-21, hier: 8.

2 Bucco setzt in seiner bildnerisch gefassten Antwort die künstlerisch-kreative Tätigkeit als Basis ein, die Pfeiler bilden Optimismus und Zufriedenheit, der Glauben entspricht der Attika. Vgl. die Internet-Seite:http://www.kunstprojekt-goetzen.de/old/g_frpak.htm.